2025 war aus volkswirtschaftlicher Sicht ein anspruchsvolles und zugleich hochinteressantes Jahr. Im Folgenden gebe ich dir eine strukturierte Einordnung der wichtigsten Wirtschaftsräume und deren Entwicklung in Bezug auf den Aktienmarkt.
Europa – unterschätzt, stabiler und erfolgreicher als viele erwartet haben
Europa hat von moderaten Bewertungen, stabilen Geschäftsmodellen und einer rückläufigen Inflation profitiert. Breite Europa-Lösungen – idealerweise inklusive Schweiz und Großbritannien – haben sich als stabilisierender Baustein bewährt. Die Entwicklung lag je nach Index bei ca. +20% für das Jahr 2025.
USA – positiv gelaufen, weiterhin konzentriert
Die Performance wurde auch im Jahr 2025 von wenigen großen Technologieunternehmen getragen, deren Kursbewertungen zum Teil (noch?) nicht von Gewinnen getragen werden. Gleichzeitig rentieren Staatsanleihen teils höher als Unternehmensgewinne aus Aktien und politische Unsicherheiten (Zölle, Rechtsprechung, Außenpolitik) nehmen zu.
Die Entwicklung lag, je nach Index, bei ca. +14 – +21%. Diese Performance ist aber auf Grund der Währungsabwertung bzw. Euro-Aufwertung gegenüber dem US-Dollar (noch) nicht bei den Euro-Anlegern angekommen (siehe auch weiter unten: Währungen – eines von fünf Risiken der Geldanlage“).
Asien – stärker als oft wahrgenommen, noch wichtiger im neuen Wirtschaftszyklus
Asien ist kein homogener Markt, aber ein strategisch unverzichtbarer Bestandteil globaler Portfolios. Gerade China, Japan und Indien bleiben relevant – und Asien insgesamt wird als Wachstums- und Innovationsraum weiter an Bedeutung gewinnen.
In der Wahrnehmung vieler Anleger läuft Asien „irgendwie mit“. In gut diversifizierten Portfolios ist es aber oft der Baustein, der langfristig für Balance sorgt – weil die Treiber andere sind als in Europa oder den USA.
Zeithorizonte & Assetklassen – ein zentraler Grundsatz
Die Grundlogik meiner Beratung ist und bleibt der Zeithorizont deiner Ziele. Bei langen Zeithorizonten (>8 Jahre) kann ein Portfolio einen hohen Aktienanteil aufweisen. Schwankungen sind dann nicht nur akzeptabel, sondern Teil der Renditechance (siehe auch: „Schwankungsrisiken verstehen und meistern“).
Bei kürzeren und mittleren Zeithorizonten (3 bis 7 Jahre) – typische Ziele sind: Studium der Kinder, geplante Immobilienkäufe oder Tilgung von Darlehen – können wir keine Schwankungen von 20 – 30% akzeptieren. Hier sind reine Aktienlösungen ungeeignet und können durch den strategischen Einsatz von Anleihen ergänzt werden.
Die zentrale Prämisse lautet dann nicht „maximale Rendite“, sondern die bestmögliche Rendite bei einer vorab gemeinsam definierten Allokation von Aktien und Anleihen. Das bedeutet bewusst mehr Stabilität, geringere Ausschläge, höhere Planbarkeit und ja: häufig etwas weniger Rendite – zugunsten der Sicherheit. (siehe auch: „Geduldig investieren: Warum gute Finanzplanung ohne Produkthype auskommt“)
Währungen – eines von fünf Risiken der Geldanlage
Meine Mandanten erinnern sich hoffentlich, dass man als konservativer Anleger am Kapitalmarkt nur eins der fünf Risiken tragen muss – das Schwankungsrisiko.
Währungen sind ein typisches „Neben-Risiko“, das viele unterschätzen: Du investierst global, also schwanken nicht nur Kurse, sondern auch Wechselkurse. 2025 hat die Euro-Aufwertung gegenüber dem US-Dollar dazu geführt, dass ein Teil der US-Rendite bei Euro-Anlegern nicht „ankam“ – obwohl die US-Börsen selbst ordentlich gelaufen sind.
Währungen schwanken in langen Wellen. Über lange Zeiträume gleichen sich diese Effekte oft teilweise wieder aus – kurzfristig können sie Rendite aber deutlich verstärken oder auffressen. Die EZB zeigt den EUR/USD-Referenzkurs als Langfrist-Zeitreihe (seit 1999). Man sieht gut: Es gibt Phasen der Euro-Stärke und Phasen der Dollar-Stärke – nicht eine Einbahnstraße.

Auf ein Wort: Rohstoffe, Branchenfonds & Einzelwerte
Rohstoffe, Branchenfonds und Einzelaktien sind oft die „spannenden Zutaten“ im Depot. Und genau deshalb sind sie gefährlich – nicht weil sie grundsätzlich schlecht sind, sondern weil sie fast immer ein zusätzliches Risiko ins Portfolio holen, das du für deine Ziele nicht brauchst.
Rohstoffe – wozu auch Gold gehört – liefern keine laufenden Gewinne wie Unternehmen. Ihre Rendite hängt stark am Zyklus und an Stimmung. Als Beimischung können sie sich für einzelne Anleger logisch anfühlen – aber sie sind selten ein stabiler Kernbaustein für Familienvermögen. Speziell Gold hat im letzten Jahr mit +45% einen enormen Hype erlebt. Gold kann kurzfristig stark schwanken – das wird nur gerne ausgeblendet, wenn die Story gut klingt. Daher gehört Gold in das Depot spekulativer Anleger.
Branchenfonds wirken oft wie die bequeme Abkürzung: „Ich glaube an die Story, also kaufe ich den Themenfonds.“ Das Problem: Viele dieser Fonds werden erst dann aufgelegt, wenn der Hype schon gelaufen ist. Das sieht man aktuell gut am Thema Rüstung: Die Produkte kommen, wenn die Schlagzeilen am lautesten sind – und Bewertungen häufig bereits ambitioniert. Es kann funktionieren – aber es ist dann kein „prognosefreies“ Investieren mehr, sondern eine bewusste Wette.
Einzelwerte haben noch ein anderes Thema: das Unternehmensrisiko. Ein kurzes Beispiel dafür ist Wirecard. Das Unternehmen galt lange als sicherer DAX-Star – und hat dann über Nacht Anleger in die Pleite gerissen. Totalverlust. Das ist genau der Grund, warum strategische Geldanlage auf breite Streuung setzt, statt auf die eine „geniale Idee“, weil man einfach nicht sagen kann, welches Unternehmen es trifft.
Wenn solche Bausteine überhaupt vorkommen, dann aus meiner Sicht nur als klar begrenzter Satellite-Anteil. Klein genug, dass dein Lebensplan nicht davon abhängt. Und so klar definiert, dass du nicht bei jeder Schlagzeile wieder handeln musst.
Ausblick 2026 – kurz zusammengefasst
Mehr Volatilität, mehr politische Einflussfaktoren und mehr Chancen für strategisch agierende Anleger. Die globale Weltlage spricht weiterhin klar dafür, Liquidität für kurzfristige Ausgaben zu halten und gemäß der persönlichen Ziele und Schwankungsbereitschaft prognosefrei & weltweit gestreut zu investieren.
Und falls du dir wünschst, diesen Weg 2026 nicht allein zu gehen: Ein erfahrener finanzieller Wegbegleiter an deiner Seite hilft, Entscheidungen ruhig, regelbasiert und passend zu deinen Zielen zu treffen.







