70,3 Meilen. Das klingt nach Abenteuer, nach Herausforderung, nach einer sportlichen Grenzerfahrung. Und ja – es klingt einfach besser als „Mitteldistanz“ oder „Triathlon“. Das durfte ich gleich am Morgen erleben, als ich unterwegs war und der Taxifahrer plötzlich das Licht im Auto anmachte, sich zu mir umdrehte und fragte: „Zur Arbeit?“ Meine Antwort: „Nein, nach Erkner – zum Sport.“ Ein Schmunzeln, ein kurzer Blick, dann das Wort „Ironman“. Der Name hat Strahlkraft – und plötzlich spürt man selbst noch ein Stückchen mehr von dem Mythos, der mit diesem Event verbunden ist.
Früher Start in den Tag
Um 4:15 Uhr hat der Wecker geklingelt – etwas früher als sonst, damit ich rechtzeitig um 7:00 Uhr in Erkner sein konnte. Mit meiner gewohnten Morgenroutine, meinem Müsli und meinen Vitalstoffen habe ich mich auf den Tag eingestimmt. Kraftvoll starten – das war mein Ziel.
Für die Fahrt zum Bahnhof habe ich mir ein Taxi gegönnt. In der morgendlichen Dunkelheit entstand dann dieser kleine Dialog – ein Auftakt voller Symbolik für das, was noch vor mir lag.
Die besondere Stimmung vor dem Start
Knapp 2000 Athleten stehen zusammen, dehnen sich, atmen tief durch. Eine Mischung aus Anspannung, Vorfreude und innerer Ruhe liegt in der Luft.
In diesem Moment wusste ich: Ich bin vorbereitet. Alles, was ich in den letzten Wochen und Monaten trainiert habe, darf ich jetzt einfach abrufen – Schwimmen, Radfahren, Laufen. Es war ein richtig gutes Gefühl.
Mir kam dabei ein Satz in den Sinn: „Menschen werden in der Öffentlichkeit für das gefeiert, was sie im Stillen praktizieren.“ Genau das macht diese Momente so besonders. Man steht dort nicht wegen des Applauses – sondern weil man all die Stunden Training im Stillen absolviert hat und sie nun Früchte tragen dürfen.
Das Rennen – Disziplin für Disziplin
Schwimmen

Der Startschuss. Rein ins Wasser. Die Temperaturen waren kühl, und ich war ohne Neo unterwegs – und trotzdem: alles lief rund. Ich bin die Sache bewusst langsam angegangen. Ankommen war mein Ziel, nicht die Bestzeit.
Radfahren

Die 90 Kilometer auf dem Rad waren für mich ein wichtiger Test. Nach meinem Sturz beim letzten Triathlon war der Respekt groß. Nasser Asphalt, Regen – Bedingungen, die nicht jeder mag. Für mich war es die Chance, Vertrauen zurückzugewinnen. Und es hat funktioniert. Ich fühlte mich sicher, stabil und hatte durchweg lockere Beine.
Das „Läufchen“

Nach dem Rad kommt das Laufen. Oder, wie Jonas Deichmann es in seinem Buch „Weil ich es kann!“ nennt: das „Läufchen“. Ein kleiner psychologischer Trick, um die Schwere der letzten Disziplin etwas zu nehmen. Und es funktioniert: 21 Kilometer fühlen sich anders an, wenn man sich selbst sagt: „Nur noch ein Läufchen.“
Ich bin es ruhig angegangen. Mit einem Lächeln auf den Lippen, mit offenen Augen für die Umgebung. Und genau das hat mir Kraft gegeben – und die Möglichkeit, anderen Athleten etwas zurückzugeben.
Gedanken unterwegs – Mentale Stärke und Inspiration
Sechs Stunden ohne technische Geräte. Kein Musik-Player, keine Ablenkung. Nur ich, mein Körper und meine Gedanken. Und die hatten Zeit, sich zu sortieren.
Mir kam das Zitat von Marc Aurel in den Sinn:
„Viele suchen Zuflucht im Außen – doch du kannst dich jederzeit in dich selbst zurückziehen. Nirgends ist es stiller als in deinem eigenen Geist.“
Auf der Strecke habe ich gespürt, wie wahr das ist. Es ist diese innere Ruhe, die trägt, wenn es anstrengend wird.
Und es sind die kleinen Impulse von außen, die Wunder bewirken. Ein „Weiter so Simone, du hast starke Beine!“ – und plötzlich läuft jemand leichter. Die Startnummern mit den großen Vornamen machen es möglich, dass ich andere persönlich anspreche.
David Goggins schreibt in „Can’t hurt me“, dass unser Kopf oft viel früher aufgibt als der Körper. Wenn wir glauben, nicht mehr zu können, haben wir meist noch rund 40 Prozent Reserve. Der Schlüssel liegt darin, Zugang zu diesen Reserven zu finden. Manchmal ist es ein eigener Gedanke. Manchmal ein Wort von außen.
Auch das Bild von Lars Amend hat mich begleitet: „Ich passe auf mich auf, damit ich auf dich aufpassen kann. Und du passt auf dich auf, damit du auf mich aufpassen kannst.“ – eine Haltung, die nicht nur im Sport trägt, sondern auch im Leben.
Die Zuschauer – kleine Party am Streckenrand
Ohne die Zuschauer wäre ein Ironman nur halb so schön. Menschen, die klatschen, rufen, Musik machen – die Strecke wird zu einer kleinen Party. Ein besonderer Dank an all die, die an diesem Tag dabei waren und uns Athleten getragen haben.

Ausblick – das war erst der Anfang
6 Stunden und 10 Minuten. Mein erster Ironman 70.3. Eine Benchmark, auf die ich stolz bin – und die Motivation für die nächste Runde. Nächstes Jahr dann mit Neo beim Schwimmen und vielleicht etwas mehr Tempo.
Und: Ich bin seit gestern im Lostopf für die Challenge Roth 2026 – die legendäre Langdistanz. Mal sehen, wohin die Reise geht.
Zunächst aber freue ich mich auf die nächsten Abenteuer: die Mammutmärsche in Hamburg und Berlin, die schon vor der Tür stehen.
Fazit – Mehr als nur ein Rennen

Ein Ironman 70.3 ist mehr als 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und ein Halbmarathon. Es ist eine Reise zu sich selbst. Eine Erfahrung, bei der man spürt: Man kann so viel mehr, als man denkt.
Es geht nicht darum, schneller zu sein als andere. Es geht darum, zu beginnen, dranzubleiben – und den Moment zu genießen, wenn man über die Ziellinie läuft.
Und genau dieser Gedanke bleibt: Menschen werden in der Öffentlichkeit für das gefeiert, was sie im Stillen praktizieren.







